„New Age“, Bastionate dei Tessari, Tessari, 5 SL, 6a+

September 2020

 

Fein war die „Bella Gioia“, aber eindeutig ein „Alpinschneckenvergnügen“. Unsere Anschlusstour ist da schon eher nach Sprinter´s Geschmack.

Vom Ausstieg der „Gioia“ folgt man dem Wanderweg nach unten bis man zu einer Schotterrinne kommt. Hier zweigt ein schlecht sichtbarer Steig rechts ab und führt kreuz und quer zur Wand. Die Wand sollte man soweit möglich ein bisschen im Auge haben, weiter oben wird der Steig dann eindeutiger (ca. 10 min ab der Schotterrinne). Von unten kommend ist der Zustieg links von Tessari am Weingarten vorbei (also vom Grasparkplatz weg) den Wanderweg nach oben bis man zu ebendieser Schotterrinne kommt.

 

Der Einstieg ist angeschrieben und die Tour schaut von unten schon mal interessant aus. Die erste Länge hat ein bisschen Mauercharakter und hier befindet sich auch die Schlüsselstelle. Zumindest für mich, denn kurz vor dem Felsvorsprung sind die „Mauerrillen“ nicht sehr ausgeprägt und hier muss ich mich eindeutig am meisten plagen.

 

Richtig cool dann die zweite Länge: steil (eigentlich ja nicht meins) aber dermaßen großzügig behenkelt dass sogar bei mir Kletterfreude aufkommt.

 

In der dritten Länge gibt’s einen Quergang, der mir wie üblich vorab ein bisschen Magengrummeln verursacht. Unnötig, der Quergang ist total einfach.

 

Jetzt noch die Schlüsselseillänge, erst kurz queren (auch leichter als gedacht), dann nach oben. Diese Länge sollte man teilen, das geht gut mit einem Stand (der auch bequemer ist) an einem Baum. Die schwerste Stelle kommt nämlich danach, steil mit einem Rechtsdrall, aber auch nicht sooo schwer wie befürchtet. Weil bis jetzt alles so gut gegangen ist übernehme ich die Schrofenausstiegslänge über den Kantengrat. Auf dem Topo wirkt es so als müsste man tendenziell nach links, tatsächlich geht es ziemlich gerade nach oben. Es wird hier immer brüchiger und man kann nur schlecht zusätzlich sichern (Sicherungen sind in dieser Länge nur am Anfang), aber mit etwas Vorsicht beim Steigen geht es gut; schwer ist es hier nicht mehr. Am Ende wartet eine Schlinge um einen Baum - der letzte Stand.

 

Abstieg: Vom Baum geht es gerade nach oben weiter. Weil es immer noch nach "Klettern" ausschaut sichern wir weiterhin. Das ist aber nicht notwendig, es geht noch ein paar Meter über Felsen (leicht) und dann sehr flach auf ein Geröllplateau.

 

Man sieht jetzt Steinmänner die noch weiter hinauf führen. Da wir wissen dass man beim Abstieg einen Blick auf den Gardasee werfen kann wissen wir auch: wir müssen nach da rauf! Man folgt den Steinmännern; erst nach oben, dann nach links querend. Achtung: Rechts taucht irgendwann ein Fixseil (rot oder pink) auf - diesem dann wieder nach oben folgen! Wir sind erst den Steinmännern nach die hier nach unten leiten, die stammen aber von den Touren die hier aussteigen - leiten also nach oben (die Krux der Steinmänner - ihnen fehlt einfach der Zeigefinger). Noch kurz hinauf, dann endlich ist man am höchsten Punkt der Unternehmung. Und auch ein bisschen Gardasee sieht man. Jetzt geht´s nur mehr abwärts, gut markiert. Man folgt übrigens den gelben Markierungen, es gibt hier nämlich mehrere Wege. Der Abstieg ist teilweise ganz schön steil (aber nicht ausgesetzt). Nach ca. einer Stunde insgesamt sollte man wieder beim Parkplatz sein.

 

Fazit: diese Tour hat mir sehr gut gefallen! Sprinter hätte sich vielleicht eine noch härtere Gangart gewünscht, für mich war es gerade richtig. Teilweise zum Plagen, aber nie zum Ärgern. Der Fels ist meist gut und rau, die Absicherung sehr gut. Nur die letzte Länge ist brüchig und wenig gesichert, Ausstiegslänge eben. Zusammen mit einer der unteren Touren eine gemütliche Tagesunternehmung.

 

Fazit Sprinter:  Zustieg: besser runter bis zur Abzweigung der "Leone di nemea", diesen Weg rauf und dann nach rechts der Wand entlang (hier ist sogar der Abzweiger angeschrieben). Ist sicher die angenehmere Alternative. In der vierten Länge unbedingt den Zwischenstand nutzen. Diese Länge geht dann doch ein ganzes Stück hoch und der Seilzug ist sicher nicht ohne. Falls im schwersten Teil mal die Löcher aufhören - nicht stur gerade hoch klettern. Dort oben hören nämlich auch die Bolts auf ... und das Abklettern macht das ganze nicht unbedingt leichter. Dafür sieht man von oben die nächste Sicherung VIEL BESSER :-) . Die letzte Länge wahrscheinlich entgegen dem Topo eher nach rechts anlegen. Von der Felsqualität kann es eigentlich nur besser als links sein.

Tolle Tour - sehr zu empfehlen!

 

 

Topo: nikobeta.net


„Bella Gioia“, Parete Rigata, Tessari, 5 SL, 5a

September 2020

 

Wiedersehen mit Tessari! Wir sind hier um gemütlich zu klettern, ich zumindest habe gerade die Nase voll von alpinistischen Überraschungen wie der in der „Roten Wand“.

 

Der Parete Rigata befindet sich rechts von Tessari. Also wieder parken links der Brücke, durch Tessari durch (dauert ca. 30 Sekunden), unterhalb des Weingartens vorbei und dann dem Weg Richtung Wand folgen. Kurz nachdem der Weg zum Steig geworden ist links (markiert) abzweigen und diesem Steig folgen. Man kommt direkt bei den Touren an. Es gibt hier mehrere, alle angeschrieben, die Wahl fällt schwer. Wir entscheiden uns schließlich für die „Bella Gioia“, hier blinken schon verführerisch einige Bohrhaken.

 

5 Seillängen, alle sehr homogen in der Schwierigkeit, alle toll zu klettern, sehr entspannt und gut gesichert. Ich steige alles vor, überhaupt kein Problem, die 5er sind gemütliche 5er und mit Bolts und Sanduhren gut gesichert. Vereinzelt kann man mal eine Schlinge gebrauchen, überlebensnotwendig ist es aber nicht.

 

Fazit: Feine Tour, gut geeignet als alternativer Zustiegsweg für die „New Age“ die wir im Anschluss klettern. Bestens auch geeignet für Kletterer die neu auf dem Gebiet „alpine Mehrseillängen“ sind; es ist nie schwer, die Tour gut zu finden und wenn man üben will mobile Sicherungen zu legen kann man das hier gefahrlos tun (muss man aber nicht).

 

Fazit Sprinter: die gesamte Wand „Rigata“ dürfte der ideale Spielplatz für a) die Riege der Kletterer sein, die Gemütlichkeit "über alles" stellen - oder b) für alle, die mit Mehrseillängen anfangen. Noch dazu ist hier nicht alle paar Meter ein Bolt - man kann sich aber ganz leicht mit Schlingen, Keilen und Friends weiterhelfen. Der Fels ist superideal, um einfach um einen Zacken eine Schlinge zu legen - fest und extrem rau. Überall, wo es schwerer wird ist solides Material vorhanden. die Touren scheinen gut "ausgeräumt" und trotzdem noch super-rau zu sein. mit der schier unglaublichen Fülle der leichten und gut abgesicherten Touren um Tessari / Val d ´ Adige dürfte dies auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Zur Tour selbst: schön zu klettern mit guter Linienführung. Lohnt!

 

Topo: V per Valdadige guida digitale a cura di Mario Brighente e rocciatori Valdanpone“

 

 


„Via Balla sui Buchi“ , Monte Cimo, Tessari, 6 SL, 7-

Juli 2019

Wir packen unsere Koffer (metaphorisch gesprochen, man denke an unseren Kia Piccanto ) und fahren nach Verdon . Auf dem Weg dorthin wollen wir uns ein kleines Klettergebiet bei Dolce anschauen. Es ist so klein, dass wir den betreffenden Ort Tessari weder auf den Straßenschildern noch in google maps finden und eine ganze Weile planlos herumgurken. Am späten Nachmittag erkennen wir dann die Wand rechts von der Straße (Kurzinfo: wir sind bei Avio von der Autobahn ab und haben uns dann Richtung Dolce gehalten. Rechts bleiben, Tessari, das nur aus zweieinhalb Häusern besteht, liegt rechts neben der Straße).

Weil wir uns kaum vorstellen können dass es im Dorf Parkplätze gibt parken wir nach der Brücke links bei einem verlassenen Haus.

 

Zustieg: Richtung Dorf, dann aber unterhalb davon auf einem Weg durch den (Wein?)garten, dem Weg folgen, er geht dann nach oben und wird zu einem Steig der direkt zur Wand führt. Ca. 30 Minuten

 

Ein neues Klettergebiet, somit wissen wir nicht was uns erwartet und wie die Schwierigkeiten dann „in echt“ so sind. Die ersten Bolts sieht man, das ist schon mal beruhigend. Erst nach oben, dann auf einer leichten Rampe weit nach links, die erste Länge ist gut. Dann steht man vor dem Überhang, okay, ich bin gespannt. Tatsächlich ist auch die zweite Länge nicht schwer, der Eindruck trügt, den Überhang trickst man aus indem man weit genug links klettert. Toller Fels, viele Griffe, bis jetzt bin ich positiv überrascht.

Dann die Schlüssellänge, eine Verschneidung, wieder mit vielen vielen Griffen und Tritten. Als Sprinter mitten in der Verschneidung ist hören wir ein altbekanntes Geräusch. Surrendes Pfeifen – da wohnt wer!

 

Der Fels, mit den vielen Löchern und kleinen Höhlen, ist wie gemacht für Fledermäuse, und eine davon wohnt leider mitten in der Tour und ist ziemlich empört als Sprinter ihr Schlafzimmer als Griff benutzen will. Macht nix, es gibt genug andere Griffe.

 

Nach der tollen Verschneidung kommt eine leichte Länge, rechts hinüber und dann hinauf, und zwar gleich nach den Bolts. Hier kann man bei Bedarf einen kleinen Baum als Zwischensicherung benutzen (Bandschlinge), dann kurz durch den Wald und zum nächsten Stand.

Die vorletzte Länge ist eine leichte 5, die finale Länge noch viel leichter aber trotzdem interessant zu klettern, man steigt förmlich durch ein Meer von zerfressenem Fels.

 

Oben angekommen kann ich gar nicht glauben wie leicht und entspannt diese Tour war.

 

Abstieg: ein paar Meter nach oben (Markierungen), dann dem Wanderweg nach unten folgen. Nicht steil aber übersät mit Steinen, daher stellenweise anstrengend zu gehen und, verglichen mit der Tour, recht lang. Dafür landen wir am Ende direkt beim Auto (Parken im Dorf also sowieso nicht notwendig)!

 

Fazit: Wir sind um 17 Uhr vom Auto gestartet und waren um 20 Uhr retour. Eine Tour die sich anfühlt wie „einmal kurz Füße vertreten“: fein! Die Bewertung finde ich schmeichelhaft, Sprinter meint sie ist einfach falsch. Tatsächlich bin ich schon 4er geklettert die schwerer waren als die 7-. Egal. Zusätzliche Sicherungsmittel braucht man keine, bis auf die obligatorischen Bandschlingen. Sehr empfehlenswerte Tour für einen Zwischenstopp, unspektakuläre aber trotzdem schöne Kletterei. Für einen Tagesausflug leider eine Spur zu weit weg von Innsbruck, es wäre interessant zu wissen wie die anderen Touren dort sind. Erfahrungsberichte willkommen!

 

Fazit Sprinter: wirklich wunderschöner Fels – sehr nett zum Klettern mit totaler Touristen-Bewertung übelster Sorte! :-) Könnte ruhig 3 – 5 mal so lang sein.

 

Topo: sassbaloss.com