"ESE – Grat", Gross Furkahorn, Furkapass, 10-15 SL, 4c

Juli 2020

 

Unsere allererste Tour in der Schweiz. Wir parken am ziemlich höchsten Punkt des Furkapasses und queren daher mal eine Weile Richtung Sidelenhütte, am Sidelenbach geht’s noch über die Brücke und dann den mittleren Weg entlang. Bei der Sidelenhütte kommt man nicht vorbei, man befindet sich weit links davon. Bis zum höchsten Punkt des Weges ist der Verlauf gut ersichtlich und es gibt Markierungen und Steinmänner die danach deutlich weniger werden. Den ESE – Grat im Blick, quert man einen Gletscherauslauf (Schnee, wenig Eis) und steigt dann rechts vom Grat und links am Hanibal-Turm vorbei das Blockgelände hinauf bis zum Einstieg. Der Zustieg wird zusehends anstrengender und am Einstieg bin ich schon ziemlich platt. Ich schätze (wir haben keine Uhr mit) der Zustieg dauert etwa 2 Stunden.

 

 

Die erste Länge ist zwar eine der schwersten, aber doch „nur“ 4c, trotzdem muss ich nach jedem zweiten Zug rasten was mich schon irritiert. Okay, meine Kondition ist immer noch mau, aber das Gefühl kurz vor einem Herzinfarkt zu stehen hatte ich davor trotzdem noch nie. Erst nach der Tour kommt mir der Gedanke dass Klettern auf über 3000m halt doch was anderes ist als eine Arcotour.

Jedenfalls, die Kletterei ist trotzdem ziemlich cool, vor allem dann ab der zweiten Länge. Rauer Granit, moderate Schwierigkeiten. Für einen Grat doch einige Bohrhaken, denen man jedoch nicht immer nachklettern kann und sollte, sprich, zwischendrin muss man immer mal wieder Routengespür beweisen. Bis zum letzten Gipfelaufschwung klettert man immer im 3. / 4. Grad; Stände sind zwar meistens vorhanden, ob man alle nutzt, auch mal am laufenden Seil geht oder selber Stände macht ist Frage des Geschmacks und Könnens. Wegen den vielen Köpfeln die ordentlich Seilreibung verursachen bleiben unsere Seillängen in einem überschaubaren Rahmen. Zwischendrin steige ich auch mal eine Länge vor, mehr nicht, einfach weil ich dermaßen kurzatmig bin dass ich froh bin wenn ich ohne Sicherungsbau dem Weg nachkomme. Kurz vor dem Gipfelaufschwung zieht sich der Grat dann ordentlich.

Die letzten zwei Längen auf den „Gipfel“ schauen zwar imposanter aus als sie sind, jedoch ist die vorletzte Länge ziemlich sicher die schwerste der Tour. Wir hängen die zwei letzten Längen zusammen was unter Umständen gar keine so gute Idee ist. Weil: der letzte Stand ein sau-unbequemer Hängestand 50 cm unter dem DIN-A4 großen Gipfel ist. Und an diesem Stand seilt man auch noch ins Blockgelände ab. Sprich: nach 2 Längen nachsichern, umbauen und Partnerin ablassen und dem Seil durchziehen spürt man seine Beine mal eine ganze Zeit nicht mehr.(Sprinter)

 

Abstieg: Vom Gipfel seilt man etwa 20 Meter in eine Scharte ab, der große, richtungsweisende Steinmann ist von oben gut sichtbar. Ich frage mich ja quasi bei jedem Grat, wie man denn da bloß wieder runter kommen soll. Meistens sind die Abstiege dann ziemlich human, auch dieser ist weniger brutal als er aussieht, jedoch auch deutlich anspruchsvoller als ein Durchschnittsabstieg.

Nach dem Steinmann folgt man einem Steig, der sich recht steil und steinig aber wenig ausgesetzt nach unten schlängelt. Nach einiger Zeit kommt eine Abkletterstelle, an deren Ende der Abseilstand ist (den man ohne weiteres 5m nach oben hätte versetzen können... der Abseiler ist 20 m und lässt bei einem 60m Einfachseil genug Luft nach oben).

Nach dem Abseilen geht’s ein paar Meter nach unten, dann klettert man Richtung Schneefeld ab. Das (große) Schneefeld hat heute die optimale Konsistenz, nicht zu weich und nicht zu hart, und lässt sich gut queren. Nach dem Queren steigt man ein paar Meter nach unten und dann ziemlich lange eine sehr steile erdige Rinne ab. So lange, dass wir uns sicher sind schon weit unterhalb des Einstiegs zu sein.

Es ist ein schmerzhafter Moment als ich erkenne dass wir uns am Ende der Rinne nur wenige Meter unter dem Einstieg befinden. Boah. Jetzt queren wir leicht ansteigend zum Schneefeld rechts des Grates., weil gerade unter uns der Felsabbruch ist. Das Schneefeld „sliden“ wir zur Freude Sprinters bis ganz nach unten, wo wir im Flachen sind. Blockgelände. Dann weitläufiges Bachbett. Blockgelände. Dann, endlich, die Brücke übern Sidelenbach. Und retour zum Auto. Ein verhältnismäßig endloses Unterfangen, das sicherlich an die zweieinhalb Stunden gedauert hat.

 

Fazit: Ein abslolut empfehlenswerter Grat, der aber Kondition (oder Durchbeißvermögen) und zumindest 5er – Kletterniveau erfordert. Ein sehr alpiner Abstieg, bei dem man noch nicht total gaga sein sollte. Wir waren bis auf eine Seilschaft weiter vorne allein in der Tour.. Unser Gesamtzeitbedarf: 11 Stunden (im Führer stehen 7,5....), wovon warscheinlich knapp die Hälfte für Zu- und Abstieg draufgingen. Der Abstieg übers Schneefeld und das Bachbett ist eine nette Variante, für den Zustieg eher nicht geeignet. Wasser gibt’s nur am Sidelenbach, sonst nur kleine Schneerinnsale. Die Zeit sollte man im Auge behalten, der Abstieg ist absolut ungeeignet für die Dunkelheit!

 

Fazit Sprinter:

ein wirklich sehr schöner Grat mit meist super Fels. Die ersten Längen, die Direktvariante gleich danach sowie die Turm-Umgehung sind richtig gut zu klettern. Einzig der letzte Stand ist wirklich unbequem. Wenn man jetzt auch noch das Glück hat und alleine in der Tour ist – einfach super! Sehr empfehlenswert!

 

Topo: Topoguide Schweiz, google hat auch noch das ausgespuckt