„Te lo do io il Colorado“, Cima alle coste sud, Dro, 10 SL, 7

Feber 2020

Hätten wir damals gewusst was wir heute wissen, nämlich das diese Tour die letzte für lange Zeit in Arco sein wird.... hätten wir sie vermutlich trotzdem gemacht, aber Sprinter hätte sich wahrscheinlich am Ende des Tages an einen Fels gekettet und dort auf das Ende der Krise gewartet.

So war es eine Tour, die als Alternative zu abgebrochenen „Luna Argentea“ herhalten musste. Beide schon bekannt aber irgendwie verdrängt, und an der „Colorado“ freut mich besonders die Tatsache dass ich, zumindest im unteren Teil, viel vorsteigen kann.

 

Man könnte die Tour als inhomogen bezeichnen, tatsächlich ist es eher ein stetes Zunehmen der Schwierigkeiten, unterbrochen von leichteren Passagen, das in der drittletzten Länge (nicht der letzten!) seinen Höhepunkt findet und mit einer eher geschenkten 7er – Länge ausklingt. Philosophisch gesprochen.

 

Tatsächlich könnte ich bis zur 8. Länge alles vorsteigen (hab ich nur teilweise gemacht), die 6er Stellen sind immer nur kurz und durchwegs gut gesichert. Was die Orientierung angeht: aufpassen muss man nach der 3. Länge um den richtigen Stand zu finden, und in Länge 6, wo man, entgegen der Intuition, oben nach links quert.

Das Highlight im unteren Teil ist aber die „Via la bellezza della venere“, die teilweise fast parallel und immer in Hörweite unserer Tour verläuft.

Es ist ein (noch) schöner Tag und in der „Venere“ kriecht ein Kletterwurm gemächlich gen Himmel.

Ich vermute mal, dass die ein oder andere Beziehung an diesem Tag vielleicht nicht ihr Ende gefunden aber zumindest einen ordentlichen Dämpfer bekommen hat.

Ich höre Geschrieenes wie „Zu!“, „Zieh!“, „Du hast gesagt das ist leicht!!!“ und „Ich kann nicht mehr!“.

Ja ja. Die „Venere“ dürfte eine der unterschätztesten Touren im Sarcatal sein, wer damit seine Kletterkarriere startet hat immerhin einen Begriff davon was „hart bewertet“ bedeuten kann.

Es ist fast wie im Kino, und erst als sich in der 7. Länge die Wege der Touren trennen konzentriere ich mich wieder voll und ganz aufs Klettern. Das ist auch gut so, denn jetzt ist Schluss mit lustig.

Länge 7 erfordert ein bisschen pfadfinderischen Spürsinn und ist nicht bombenfest aber doch ganz okay zu klettern. Besonders am Ende, ein steiles Wändchen hinauf, macht es richtig Spaß.

Dann kommt die Rampe, meine persönliche Schlüssellänge.

Weil wir ja eigentlich eine andere Tour geplant hatten und Sprinter mitzunehmendes Material immer penibel berechnet mangelt es uns an Expressen.

Er behilft sich mit Bandschlingen und Karabinern, was unter anderen Umständen kein Problem wäre, jedoch ist das Aushängen und Herausfitzeln der Bänder in querendem, steilem Gelände ein Kraftakt der schon ganz am Anfang seinen Tribut fordert. Ich nulle mich nach Kräften weiter und komme ziemlich ausgepowert am Stand an.

 

Die nächste Länge ist auch nochmal interessant, ziemlich glatt ist es hier teilweise und auch steil, aber immerhin nicht mehr so ausgesetzt wie davor.

Dann kommt das Finale, ich erinnere mich noch daran, eine gut eingebohrte kurze Wand. Mittlerweile ist es windig und kalt geworden, Sprinter huscht nach oben und ich so schnell wie möglich nach.

Schade, ich hatte mich schon auf eine ausgiebige Ausstiegspause gefreut, aber ohne Sonne macht das irgendwie keinen Sinn.

 

Abstieg: den markierten Steig bis zum Wanderweg, dann wie gewohnt nach unten. Etwa 45 Minuten.

 

Fazit: keine üble Tour! Gut geeignet für ungleiche Seilschaften – unten kommt der Schwächere, oben der Stärkere auf seine Kosten. Richtig happig ist eigentlich nur die Rampenlänge und Passagen der darauffolgenden Länge. Die Schlusswand kann man großteils gut technisch klettern. Wir waren allein in der Tour – verglichen mit den 6 oder 7 Seilschaften in der „Venere“ purer Luxus!

 

Fazit Sprinter: an einen wunderschönen Stein gekettet würde ich jeden „Mundschutz-Träger“ mit Steinen bewerfen …

Die Tour ist ein bisschen „weder Fisch noch Fleisch“. Unten zu leicht und oben dann doch zu anspruchsvoll um noch als leicht durchzugehen. Meist super abgesichert – nur die Länge vor der Rampenlänge ist recht unangenehm, da weit abgesichert und der Fels brüchig/splittrig … also nicht wirklich plaisir-like. Einen ganz großen Pluspunkt hat diese Tour dann aber doch: sie wird wenig geklettert! Und die Kino-ähnlichen Aussichten in die „Venere“ dürften recht häufig vorkommen! 😊 Insgesamt: kein Highlight aber auch nicht schlecht. Kann man schon mal machen.

Vor einer weltweiten „Verblödungswellen-Pandemie“ sollte man allerdings eher was lohnenderes klettern – z.B.: Dawn-Wall im Yosemite

 

Topo: bergsteigen.com

 


„Sguarauunda“, Cá del Liscio, Dro, 10 SL, 7+

Feber 2020

 

Die Tour mit dem unaussprechlichen Namen ist in der gleichen Ecke wie die „Di tutto un po“. Weil die uns so gut gefallen hat wagen wir uns an die Sguarauunda, obwohl in einem Führer vermerkt ist dass hier die letzte Plattenlänge „makaber“ abgesichert ist.

 

Den Zustieg finden wir diesmal auf Anhieb (gleich wie die „Tutto“, nur auf den letzten Metern rechts abbiegen). Zeitersparnis haben wir leider trotzdem keine, denn erstaunlicherweise sind gleich zwei Seilschaften vor uns am Einstieg. Und das in einer Tour die vermutlich nur ein paar Dutzend Mal im Jahr geklettert wird!

Stört uns diesmal aber gar nicht so weil Sprinter nicht gerade ein Plattenfuchs ist und davon ausgeht dass uns die vorderen sowieso bald davonsausen.

 

 

Ich steige mal die erste Länge vor. Sie ist anfangs leicht, dann geht es links über Platten. Hier gibt es schon mal einen Minivorgeschmack auf die Platten die noch folgen...

Weiter geht es dann über eine strukturierte Platte – interessanter Schwung nach rechts, dann steil und mit guten Griffen nach oben.

Es folgt die angebliche Schlüsselstelle des unteren Teils: zwei Züge über eine griffarme Platte, schön entschärft mit einem Fixseil. Kann man frei klettern, muss man aber nicht – mit Seilnutzung jedenfalls ein Kinderspiel.

Der Rest der Länge ist nicht sonderlich schwer.

 

Die eigentliche Herausforderung des plattigen Abschnitts kommt aber in der 4. Länge. Am Anfang noch leicht, wird das „plattige“ immer ausgeprägter, was auch für den Nachsteiger eine Aufgabe ist denn wir sprechen hier von einer ziemlich langen Querung.

Sprinter macht seine Sache im Vorstieg ziemlich gut, wenngleich er seinem Namen keine Ehre macht und eher das Tempo einer Rennschnecke hat.

Im Nachstieg kann man sich nur behelfen indem man den seitlichen Seilzug für die Balance nutzt – Überwindung kostet das Ansteigen trotzdem. „Makaber“ ist die Absicherung hier übrigens nicht, zwischen den Bolts liegen aber doch einige Meter. „Augen zu und durch“ scheint eine gute Strategie zu sein. Alternativ könnte man hier in die „HeLi“ ausweichen (kreuzt nach den ersten Metern).

Nun sind wir am Band und genießen für ein paar Minuten die Sonne. Unsere Vordermänner sind nicht wirklich schneller und wir wollen ihnen einen Vorsprung geben.

 

Jetzt kommt der abwechslungsreiche Teil der Tour. Erstmal eine leicht unter einen Überhang, dann noch leichter über eine Rampe darüber hinweg. Tropflöcher und Sinter gibt es hier, der Stand ist bequem unter einem Dach. Von unten sah dieser Teil unglaublich steil aus, in Echt sucht sich die Tour elegant den leichtesten Weg nach oben.

Es wird trotzdem kurz steiler, zweimal muss man in der nächsten Länge etwas zupacken.

Nun folgt die leichte Rampe, ich steige vor und flitze zum nächsten Stand. Das Flitzen hätte ich mir sparen können; hier ist wieder warten angesagt, unsere Vordermänner kämpfen mit vielen Schlingen und technischen Manövern mit der zweiten schweren Länge der Tour. Ich schaue ihnen zu und bin froh dass ich mittlerweile nicht mehr in Panik verfalle wenn eine Seilschaft vor mir so herumwurstelt. (Erfahrungsgemäß ist es dann meistens gar nicht so schlimm).

 

Tatsächlich kann man die Länge gut klettern – an den schweren Stellen technisch, dem leichten Rechtsdrall begegnet man am besten indem man ihn einfach ignoriert und zügig steigt.

 

Die vorletzte Länge ist nochmal eine Querung, diesmal aber nicht plattig sondern leicht, henkelig und überaus gut gesichert. Rauf, rüber, rauf, und schon sind wir vor der letzten Länge. Den Grat steige ich vor, leichtes Dschungelfeeling kommt auf während ich mich durchs Gehölz kämpfe. Überraschenderweise finden sich hier erstaunlich viele Bolts sodass ich gegen Ende der Länge mit ziemlichem Seilzug kämpfe. Allerdings ein richtig guter Abschluss, leichte Kletterei oft in Kantennähe.

 

Abstieg: Ein paar Meter in den Wald hinein, schon ist man auf dem Steig der zum „großen“ Abstiegsweg quert.

 

Fazit: Für mich die coolste Tour die wir in letzter Zeit gemacht haben. Super abwechslungsreich, kaum ausgesetzt, an den (technisch) schweren Stellen gut gesichert, mit großteils gutem Fels und keiner Länge die nicht in irgendeiner Form Spaß gemacht hat. Unten muss man Platten klettern können (und wollen), die Abstände zwischen den Sicherungen sind teils nicht ganz ohne und man kann wenig bis gar nicht zusätzlich sichern. Oben dann deutlich entspannter und viel weniger steil als erwartet.

 

Fazit Sprinter: Platten... eine Erfindung von Leuten, die null Power haben … ich lebe mehr nach der Devise „steil = geil“. Darum habe ich diese Tour trotz der echt coolen Linienführung bisher noch nie in Betracht gezogen. Gefallen hat sie mir aber sehr gut. Die Linie ist echt schön und die Längen sind wirklich abwechslungsreich. Auch die Abgeschmiertheit hält sich dezent in Grenzen und die Kletterei macht wirklich Spass! Zu den einzelnen Längen: die erste Länge – wie allgemein üblich – sehr hart bewertet und die einzige Länge mit „Glibsch“ - an einer Stelle dürfte es nicht viele Alternativen geben. Zweite Länge: super Kletterei – angenehm gesichert. Dritte Länge: ein kurzer, schwerer Quergang nach schräg rechts unten – dann leichte Kletterei bis zum Stand. Länge vier: bis zur Mitte der Quergangslänge leicht. Ab hier sollte man sich die nächsten Meter gut überlegen. Oft quert man unten rüber und steigt am Ende dann fast gerade zum nächsten Bolt. Diese liegen teilweise beträchtlich auseinander. Nie wirklich schwer – aber ab der Mitte auch nie wirklich leicht. Besonnenes Klettern sehr zu empfehlen. Ab dem Band dann in Schlangenlinie immer dem leichtesten Weg folgen. Die Schlüssellänge hat unsinnigerweise ein paar „verbesserte“ Griffe – die man von unten natürlich nicht sieht – insgesamt kein Highlight. Die Quergangslänge danach ist wirklich „edel“ - ein super Abschluss. Die letzte leichte Länge „am Grat“ zieht dann durch Strauch, Baum und Gebüsch und stimmt schon auf den Abstieg ein.

 

Der Nachsteiger sollte an Quergänge gewohnt sein und ein intaktes Nervenkostüm für die letzte Plattenlänge aufweisen. Sonst macht die Tour eher keinen Spass.

 

Topo: arrampicata-ledro.at

 

 


„Minuetto a Ceniga“, Coste dell´ Anglone, Ceniga, 12 SL, 6b+

Feber 2020

 

Anm.: eben noch in den Semesterferien, jetzt schon wieder im Schulstress... netterweise gibt Sprinter daher nochmal den Gastautor:).

Dieses Mal eine Premiere an der Coste dell´Anglone: die erste Nicht-Grill-Tour an dem Riegel. Wir sind schon gespannt, ob auch andere Erstbegeher an diesem dann doch recht unterschiedlich gestalteten Felsen eine angenehme Linie gefunden haben. Hier wechselt das Gelände zwischen verwachsen und dachartig recht abrupt hin und her.

An einem Montag – Schulferien sei Dank – sind wir wie erwartet ganz alleine auf weiter Flur. Wir starten recht früh und erreichen die Morgensonne erst beim Zusteigen.

Die Tour startet mit einer gaaanz kurzen schweren Stelle und geht dann angenehm gemütlich eine Art Rampe schräg nach oben. Der erste Stand ist auf einer bequemen, ebenen Rampe und ist voll in der Sonne – ultraangenehm und ideal für eine Guten-Morgen-Zigarette … ein Espresso dazu wäre wahrscheinlich übertrieben … mir wäre sogar das noch egal … also der Start war mal supi und ich genieße es meine Schnecke nachzusichern.

Die zweite Länge ist noch recht leicht und auch gut gesichert und fällt an die Schnecke. Sie meistert diese nach einem „holprigen“ Start – eine kurze schwerere Stelle – dann auch recht gut.

Dann geht’s richtig los: Länge 3 quert zuerst kurz nach Links über eine Platte und geht dann leicht überhängend gerade nach oben. Geil (weil steil)!

Der Fels macht im steilen Teil zwar nicht den besten Eindruck aber hält dann doch. Am Ende zieht die Länge dann plötzlich waagerecht nach rechts zum Stand auf einem schmalen Band direkt über dem Sicherer. Schaut komisch aus, ist aber wegen der lausigen Felsqualität gerade oben wahrscheinlich wirklich sinnvoller so.

Die Schnecke quält sich recht flott die steilen Meter nach oben und überlegt kurz ob sie die nächste Länge vorsteigen soll. Zum Glück kann ich ihr das ausreden … die leichte vierte Länge hat es durchaus in sich …

Nach dem gemütlichen Start steht man an der Kante im Schrofengelände. Schräg rechts versperrt ein Baum die Sicht auf die Wand weiter oben. Zuerst geht’s mal zum Baum und gleich weiter zum nächsten Bäumchen kurz darüber. Auf dem obersten Ast stehend kann man in der Platte darüber dann einen Bolt einhängen und mal die glatte Platte bewundern … schaut für einen 5er dann schon echt glatt und steil aus … klettert sich dann auch so … und danach steht man wieder bei einem Baum. Der Stand befindet sich unter dem rechten Ende des Dachriegels 15 Meter weiter oben. Vorsichtiges Klettern und ebensolche Seilführung ist angesagt, was bei einer Länge von knapp 50 Metern nicht ganz leicht ist. Diese Länge ist von der Wegfindung die schwierigste der ganzen Tour. Schnell ist die Schnecke bei mir … auch sie ist froh, dass sie diese Länge nicht vorgestiegen ist. Buuh … ich wäre gestorben …

Da nun die vier schwersten Längen (die Angaben reichen von 6a+ bis 6b+) folgen genießen wir den gemütlichen Stand unter dem Dach in der warmen Sonne unter dem überhängenden Start der nächsten Länge. Ich in Vorfreude auf das steile Gelände – die Schnecke mehr den Augenblick und die Sonne.

Steil, aber mit verschwenderisch großen Griffen zieht die Länge nach oben. Kurz vor der Mitte ist dann leider Schluss mit steil und die Länge geht in eine Wasserlochplatte über und zieht dann wieder steiler nach links rauf – eine kurze schwere Stelle direkt unter dem Stand - auf einen kleinen, aber bequemen Standplatz. Cool!

Die nächste Länge zieht schräg nach links ansteigend nach oben. Hinauf geht es meist recht gut, die kurzen Stellen nach links sind meist „tückisch“ und mindestens eine Stelle sollte man in der falschen Höhe angehen … was ich sicher zumindest einmal gemacht habe. Viel Glück!

Klettertechnisch ist das für mich die anspruchsvollste Länge.

Leider ist der Stand unter dem großen Dach recht unbequem. Die Schnecke meistert diese Länge gut und kommt mit großen Augen am Stand an. Diese Augen hat sie immer sobald sich Dächer in unserer Nähe befinden … aber wie (fast) immer ist diese Sorge umsonst. Die Erstbegeher haben das wunderschön erscheinende Dach gemieden und unter dem Dach feige nach rechts ausgekniffen … der Vorteil: so hat auch diese Länge nur eine 6 vor dem a+ und auch diese Länge ist nicht schwerer als der Rest. Und am Ende des Quergangs geht’s über den „Restbauch“ vom Dachriegel dann doch kurz überhängend nach oben zum wieder bequemen Standplatz. Wie ein junges Eichkätzchen flitzt meine Schnecke den Quergang nach und steht schon nach ein paar Minuten mit einem „was-das-wars-schon?“-Gesicht neben mir. ECHT! (ich würde nie übertreiben – sie hat es gut gemeistert)

Die letzte Länge führt über eine überhängenden Piazriss nach oben – hier kann man mal einen Friend legen (das einzige Mal in der gesamten Tour) – die anstrengendsten Meter der Tour – es sind aber keine 10 Meter. Nach einer kurzen Platte und ebensolchen Verschneidung steht man auf einem Band mit dem Stand. Ende der Schwierigkeiten und Start der in den Beschreibungen als brüchig, schlecht gesicherten und etwas gefährlichen 3 leichten Ausstiegslängen.

Obwohl wir doch recht regelmäßig im alpinen Gelände unterwegs sind liest sich sowas immer mit einem mulmigen Gefühl. Die erste der Längen geht vom Stand rechts ins Gebüsch. Darüber dann wieder links rüber (hier bin ich mit den unnütz durch die Wand getragenen Friends gleich bei einem Bäumchen hängengeblieben und hab der Schnecke mal mittels Steinwurf mitgeteilt wo ich mich gerade befinde). Über eine flache Platte geht’s dann hoch und auf einem Erdband waagrecht nach rechts zum Stand. Total unproblematisch zu klettern und auch abzusichern – was man aber nicht braucht.

Die nächste Länge geht Anfangs schräg rechts über eine Platte und dann gerade nach oben über ein steiles Wändchen zwischen Bäumen gerade hoch. Hier bin ich im Nachstieg etwas zu weit rechts am Weg und ein Bierkisten-großer Stein (von dem ich dachte, dass da sicher schon ewig viele Menschen draufgestanden sind) verabschiedet sich nach unten … als ich gerade auf ihm stehe. Ups!

Diese Länge sollte man durchaus vorsichtig klettern.

Die letzte Länge ist im Topo nicht mehr bewertet – sie dürfte vielleicht ein leichter 5er sein – und geht über den Anfangs noch recht steilen Riss nach oben. An dessen Ende dann über eine Platte und eine Art Rampe schräg rechts hoch in den Wald. Diese Länge ist fest und gut gesichert.

Ende der Tour -  der Holzweg oben der zum Abstieg über den Steig nach links führt ist in 2 Minuten erreicht.

Mir hat die Tour gut gefallen. Die Absicherung ist angenehm – Länge 4 ist anspruchsvoller als das Topo vorgibt. Dafür ist von den angeführten 3 brüchigen Ausstiegslängen nur die zweite etwas ungut.

Von der Bewertung stimmt 6a+ viel eher als 6b+ … aber das sollte keine große Rolle spielen.

 

 

Fazit Alpinschnecke: Für mich aus zwei Gründen eine angenehme Überraschung. Erstens: die Absicherung ist (für mich) ungewohnt gut – von den Grill – Touren kenne ich nur die gerade mal ausreichende Variante. Zweitens: die Bewertung ist ausgesprochen freundlich, eine 6b würde in einer Grill – Tour anders ausschauen....

Die „Minuetto“ fristet meiner Meinung nach zu unrecht ihr Schattendasein. Wer sich über die drei Ausstiegslängen mokiert: irgendwie muss man ja aus der Wand kommen, und die Tour endet nun mal nicht am Abstiegsweg. Die Erstbegeher haben es aber trotzdem geschafft, hier eine halbwegs elegante Lösung zu finden; zumindest die allerletzte Länge bietet nochmal erstaunlich gute Kletterei, in den zwei Längen davor sollte man halt nicht alles angreifen was da so im Weg herumliegt (Sprinter...). Der Fels ist auch meist besser als er aussieht, von mir gibt es daher ein klares „Daumen hoch“!



Topo: sassbaloss.com

 

 


„Di tutto un po´“, Ca´del Liscio, Dro, 12 SL, 6c

Feber 2020

 

In detektivischer Kleinarbeit sucht Sprinter immer wieder nach für uns neuen Touren, und so kommt es, dass wir an einem gar nicht so sonnigen Montagmorgen am Campo Sportivo in Dro stehen. Rechts: all die bekannten Touren wie „Luna Argentea“, „Mercurio Serpeggiante“, „Venere“. Links: Neuland.

 

Die Wand die es zu bezwingen gilt hebt sich schon von weitem äußerst markant vom übrigen Fels ab: erst eine ziemlich beeindruckende Platte, dann ein relativ abrupter Übergang in steiles Gelände.

 

Natürlich schaffen wir es trotzdem uns zu verlaufen – wir stehen vor dem Einstieg der „HeLi“. Richtig wäre: dem Steig der links vom Weg abgeht einfach folgen bis man nach einigen Minuten vor einem Stein mit der Aufschrift „Ca del liscio“ steht. Dem Steiglein nach oben folgen; es kommen bald immer wieder Passagen mit Fixseilen, am Ende steht man auf einem Band, die „Di tutto un po“ ist links, der Einstieg ist angeschrieben, allerdings erst weiter oben.

 

Wir haben zwei verschiedene Topos (Topi?) dabei die sich ziemlich gravierend unterscheiden. Die Wahrheit liegt meiner Meinung nach irgendwo dazwischen weswegen ich hier ausnahmsweise mal meinen persönlichen (Schwierigkeitsbewertungs)Senf dazugebe (UIAA).

 

Länge 1: gemütlicher Start über wenig ausgeprägtes Plattengelände, nicht übertrieben schwer, auch nicht übertrieben abgesichert, 4

Länge 2: es wird anspruchsvoller und plattiger, vor der Felsstufe würde man sich eventuell noch eine Sicherung wünschen, 6-

Länge 3: interessanter, schwieriger, plattiger Start, es wird steiler, es folgt eine Felsstufe und nach ein paar leichteren Metern geht es nach rechts. Sprinter werkelt ziemlich                   lange an einer Stelle in der Querung die im Nachstieg leicht ist, 6

Länge 4: nochmal plattig, kurz, eine „Nachsteigerlänge“, 6-

Länge 5: lang, die Platte geht langsam in das steile Gelände über, wieder angenehm für den Nachsteiger, 6-

Länge 6: kurz, der Stand ist unter dem Dach, erst hinüber dann nach oben, nicht wirklich schwer, 5+

Länge 7: Start mit kleinem Überhang, dann steil, jedoch sind meist Griffe vorhanden, allerdings sollte man nicht alles bedenkenlos angreifen. Schräge Querung nach rechts an                 die Kante. 6+

Länge 8: Endlich darf ich mal vorsteigen! Die Bewertung in einem Topo ist 6a, es schaut aber überhaupt nicht schwer aus. Eine Rampe mit langgezogenen Felsstufen an denen                  man nach oben steigt. Am schwersten ist es auf den ersten Metern die Bolts (und somit die Linie) zu finden. Tipp: schön den Kopf hochhalten! Es wird dann immer                      leichter. Für Rampensäue 4, sonst ein schwacher 5er.

Länge 9: nochmal meine. Nur die ersten Meter sind „schwer“, dann wird’s schrofig. Achtung: nicht alles hält! Anfangs 4, dann leichter

Länge 10: Schöne, nicht allzu schwere Tropflochplatte, 5+

Länge 11: der „psychologische“ Höhepunkt - „la rampa“! Wieder mal danke ich Sprinter (im Stillen!) für unsere Rampentouren in Due laghi. Somit habe ich hier klettertechnisch                  kein Problem. Die Rampe wird allerdings Schritt für Schritt schmaler, bis sie schließlich verschwindet und man für einen halben Meter als einzigen Tritt einen                              Baumstumpf hat. Die Rampe taucht wieder auf, zusammen mit einem Dach das für alle die größer als 1,10 sind klare Freiheitsberaubung ist. Nach ein paar geduckten                  Schritten kommt man zum Stand. Klettertechnisch eine 5, psychisch 7

Länge 12: Finale. Recht glatt, recht steil, mit einem Drall nach rechts. Miniüberhang, dann immer leichter. 7

 

Abstieg: nach dem Ausstieg geht es ein paar laubige Meter nach oben (wahlweise eine glatte Platte rechts davon). Dann folgt man einem sichtbaren Steig, der nach rechts aus der Wandzone quert. Nach ein paar Minuten gelangt man auf den Abstiegsweg. Sehr bequem das ganze, insgesamt ca 45 Minuten bis zum Parkplatz

 

Fazit: Eine Tour die mir ausgesprochen gut gefallen hat! „Von allem ein bisschen“, das stimmt definitiv. Weil die Tour so weit links ist, ist die Plattenkletterei nicht wahnsinnig ausgeprägt und der Übergang ins Steile ebensowenig. Die Felsqualität ist weitgehend in Ordnung, die Absicherung wird nach obenhin besser. Großteils nachsteigerfreundliche Kletterei, schwächere Seilpartner brauchen sich nicht zu fürchten und können die 1., 8. und 9. Länge vorsteigen (Kletterkönnen auf 5er Niveau vorausgesetzt). Die Tour wurde offensichtlich noch nicht tausende Male geklettert – schade eigentlich! Leicht zu findender und unanstrengender Abstieg.

 

Fazit Sprinter: Topoempfehlung: http://corda-doppia.blogspot.com/2012/04/30042012-di-tutto-un-po-ca-del-liscio.html (in Italienisch) das passt recht gut (hier wurden allerdings 6. und 7. Länge zusammengefasst was nicht soo empfehlenswert ist). Die Tour dürfte nicht übertrieben oft gemacht werden – der Fels ist meist noch angenehm griffig. Die letzten drei Seillängen sind richtig super! Falls man beim Ausstieg Sonne und sogar was zum Essen, Trinken oder Rauchen mit sich führt: superbequeme Plätze – wir hatten leider nichts … Auch wenn nicht alles in der Tour fest ist und man auch mal kurze botanische Stellen hat – durchaus lohnend! Max. 6b!

 

 

Alternatives Topo: arrampicata-ledro.at


„Il mercurio serpeggiante“, Cima al Coste Sud, Dro, 11 SL, 6

Feber 2020

 

Dies ist eine weitere Tour der Sorte „wir-sind-noch-nicht-in-Hochform-und-es-ist-kalt-also-machen-wir -was-das-wir-unter-anderen-Umständen-nicht-machen-würden“.

Okay, das „nicht in Hochform“ gilt in erster Linie für mich, aber Anfang Feber ist es tatsächlich kalt, zu kalt um ewig in einer schweren Tour auf der Stelle zu treten.

 

Die „Mercurio“ ist einer der Publikumsmagneten an der Cima al coste, allerdings hält sich um diese Jahreszeit der Ansturm in Grenzen und wir sind allein in der Tour.

 

Das Topo begeistert mich – so viele 4er:)! Und nur eine 6! Trotzdem steigt Sprinter vorsichtshalber die erste Länge vor – man weiß ja nie was einen in einer Grill – Tour erwartet. Danach komme ich aber ganz oft zum Zug und kann mal so richtig meine Vorsteigerqualitäten unter Beweis stellen. Für den Schwierigkeitsgrad ist die Absicherung wirklich gut und die Kletterei entspannt aber nicht langweilig.

Erst oben in der Querung wird es ein bisschen anspruchsvoll, einmal beim „um die Ecke gehen“ in Länge 6, dann natürlich die Schlüsselstelle mit anschließender steiler Passage (die aber gut gesichert ist).

Ich steige sogar die letzte Länge vor, den kleinen Überhang nicht ganz schummelfrei, aber immerhin.

 

Abstieg: die Tour endet fast direkt am Abstiegsweg – circa 45 Minuten (gemütlich) bis zum Parkplatz

 

Fazit: für Sprinter eine „Schnarchtour“, für mich geradezu perfekte Kletterei in meiner Komfortzone. Wenige schwerere Stellen für die es einen etwas besseren Vorsteiger braucht, ansonsten wäre die Tour beinahe geeignet für eine „Solotour“. Zugegeben: wahnsinnig lange bleibt die Tour nicht im Gedächtnis, dafür fehlen einfach die Highlights, zum Saisonauftakt aber bestens geeignet.

 

Fazit Sprinter: Schnarch … Schnarch …. :-)

 

 

Topo: bergsteigen.com


„Luca Franz Franceschini“, Cima al Coste Sud, Dro, 17 SL, 7+

November 2019

 

Leicht, lang, gut gesichert und in Arco – ich bin begeistert als ich die Tour auf bergsteigen.com entdecke!

Es ist ganz klar dass sie auf meinem Plan für unser erstes Arcowochenende seit langem steht.

Der Preis dafür ist allerdings hoch: Sprinter hat mit „lang“ kein Problem, der Rest spricht ihn nicht wirklich an und nur mit dem Versprechen dafür am nächsten Tag was in Padaro zu gehen erklärt er sich einverstanden die „Franz“ mit mir zu gehen.

 

Strahlender Sonnenschein empfängt uns in Arco. Wir wandern Richtung Einstieg und sind schon ziemlich nah an der Wand als Sprinter ein Fixseil erblickt das durch ein felsiges Waldstück führt. Fixseile ziehen Sprinter offenbar magisch an, es ist klar, hier geht es lang. Sehe ich nicht so, in der Zustiegsbeschreibung ist von Fixseil keine Rede und außerdem ist es hier trotz Seil ziemlich unsympathisch, Sprinter ist aber schon dahin und ich füge mich (wieder mal). Oben ist zwar ein bandähnlicher Abschnitt, Einstieg sehe ich keinen. Wir gehen nach rechts und siehe da: Kletterer. Kletternde Kletterer allerdings, wir befinden uns offensichtlich schon in der Wand. Der Kletterer klärt uns auf, er klettert gerade die „Dinosauri“, wir müssen also wieder nach unten und weiter nach rechts. Mühsam seilen wir uns durch felsiges Gebüsch ab, ein paar Minuten später sind wir am Einstieg (der eigentlich nicht schwer zu finden ist – wenn man das Fixseil ignoriert).

 

Mittlerweile ist es fast 11 Uhr. 17 Seillängen haben wir vor uns, Anfang November, wo die Tage schon ziemlich kurz sind. Sprinter lässt sich aber nicht abbringen und steigt die erste Länge vor. Die ist nur ganz am Anfang steil, dann wird sie gleich leichter. Ähnlich die nächste Länge, wo nur ein kurzer Abschnitt ein bisschen schwerer ist, danach steige ich vor. Die 4. und 5. Länge mache ich in einem, das funktioniert gut und das Gelände ist so leicht dass man im Notfall auch ein paar Meter am laufenden Seil gehen kann. Weils so einfach war und Sprinter sowieso nur mäßig interessiert am Vorsteigen ist ( Viel zu leicht. Viel zu viele Bolts.) klettere ich gleich weiter, es ist sehr entspannt und wirklich plaisirmäßig abgesichert – vor lauter Euphorie übersehe ich den Stand und hänge Länge 7 gleich noch dran. So kommt man natürlich schnell voran und langsam kann ich die Tour tatsächlich genießen.

Es folgt ein Geh – Abschnitt durch einen kleinen Wald bis zur nächsten Wand. Es sind einige Kletterer in den Touren, eine Seilschaft die vor uns in der „Franz“ zu sehen war ist gerade dabei die nächste Länge zu klettern.

Vorsichtshalber frage ich nochmal nach welche Tour sie gehen weil es hier doch mehrere Einstiege gibt, aber ja, sie klettern die „Franz“

Na gut, warten wir also ein bisschen. Die Vorsteigerin quält sich ziemlich, obwohl auch hier viele Bolts stecken.

Als Sprinter an der Reihe ist quält er sich auch, zumindest wenn man bedenkt dass wir hier von 6+ und vielen Zwischensicherungen reden. Als ich nachsteige merke ich: so leicht ist es tatsächlich nicht. Und passt auch überhaupt nicht zum Rest der Tour....

 

Die nächste Länge: erst viele Bolts und dann nichts mehr. Am Stand angekommen ist klar: wir sind falsch.

Unsere Vordermänner haben bereits nach links gequert und sind nun am Stand vor der Schlüsselseillänge. Ich quere nach, was von hier aus zum Glück relativ einfach geht. Unter uns: ein Haufen Bolts. Von der Originaltour. Na ja. Immerhin sind wir wieder in der Tour. Die Schlüsselseillänge ist, wie viele andere Längen hier, sehr kurz und sehr gut gesichert. Wer keine 7+ klettern kann wird hier trotzdem kein Problem haben. 11 Sicherungen auf 25m, hier muss man nicht mal besonders fit im „nullen“ sein.

Danach kommt eine steilere Länge mit einem kleinen Überhang, gefolgt von zwei entspannten Plattenlängen. Fast sind wir am Ende, noch zwei Längen die wir separat klettern auch wenn die erste davon nur putzige 10m lang ist. Die „kurze Querung“ ist einfach, fühlt sich jedenfalls nicht nach 6- an. Finale: wieder gut gesichert nach oben, ein paar Stellen zum kurz Denken aber im Großen und Ganzen ein netter Abschluss.

 

Abstieg: ein paar Meter nach links und dann den Markierungen folgen. Weil der erste Teil des Abstiegs durch das Meer aus Blöcken führt ist es anfangs etwas mühsam, insgesamt halt ein richtiger „Anglone – Abstieg“ - recht lang und anstrengend. Die Gegend finde ich aber, speziell im Herbst, richtig schön. Eine Stunde muss man fast bis zum Parkplatz rechnen.

 

Fazit: nichts für richtige Alpinkletterer – dafür ist die Tour viel zu gut aufbereitet. Mir persönlich hat sie, wenn ich die Verhauerlängen im Geiste durch leichtere, gut gesicherte Längen ersetze, aber gar nicht so schlecht gefallen. Weder vor den vielen Seillängen (17) noch vor der Bewertung (7+) sollte man sich abschrecken lassen. Die Längen sind oft sehr kurz, einige davon kann man zusammenhängen, ein paar sind auch Gehlängen und die Bewertung ist erstens sehr freundlich, zweitens kann man überall wo es ein bisschen schwerer wird schummeln. Die Absicherung ist extrem komfortabel, man braucht nichts zusätzlich. Wir haben vom Einstieg bis zum Parkplatz insgesamt gemütliche 6 Stunden gebraucht.

Verfehlen kann man die Tour eigentlich nicht, eigentlich ist das Topo ziemlich klar, wären wir nicht wie die Lemminge unseren Vordermännern nach wären wir sicher richtig geklettert.

Durchaus eine Tour die ich noch mal klettern würde (ohne Sprinter natürlich, dafür mit richtigem Zustieg und richtiger Tour...). Empfehlenswert für Plaisirkletterer die gerne Mehrseillängen gehen.

 

Fazit Sprinter: schade um die ganzen Bolts! Nein – im Ernst: kann man machen, muss man aber nicht.

 

Topo: bergsteigen.com

 


„Via dall´antistoria alla storia“, Coste dell´Anglone centrale, Ceniga, 9 SL, 7

August 2019

 

Wir haben kein Glück mit Kaiser& Co, zu unsicher das Wetter und nebenbei bemerkt, konditionell reichen mit die Zustiege im Sarcatal momentan auch leicht.

 

Auf der Wunschliste steht noch diese Tour mit wie üblich Grill – typischem Namen. Die Tour mit dem spektakulären Ausstiegsloch, aber bevor man dorthin kommt muss man ja erst mal klettern.

 

Wir nähern uns dem Einstieg von Ceniga aus, die „Antistoria“ liegt rechts neben der „Friabilita“, wobei man von dort kurz nach unten und dann über ein seilversichertes Band nach rechts steigen muss.

Wettertechnisch ist es trotz August ganz okay, leicht bewölkt und ein bisschen Wind.

 

Die erste Länge ist ausnahmsweise ganz angenehm zum Einklettern, nur oben gibt’s eine kurze schwerere Stelle.

In der zweiten Länge dann die erste Querung, hinauf und anschließend über eine steile Platte hinüber – schon nicht mehr ganz so angenehm.

Kurze Erholung in der dritten Länge die recht gerade nach oben geht. Hier verlagern wir den Stand ein paar Meter nach oben zu einem Baum.

Wieder queren in der 4. Länge, als Nachsteiger nicht ganz so schlimm, Sprinter hat ein bisschen zu kämpfen.

Jetzt kommt die Schlüsselseillänge: kurz nach oben, dann ziemlich lang queren (leicht aber ausgesetzt über den Überhang), zwei steile Meter übers Dach (gut gesichert mit zwei Bolts), wieder zurück queren (ebenfalls ausgesetzt). Verglichen mit den leichteren Längen ist die Schlüsselseillänge nur psychisch etwas anspruchsvoller, die Querungen sind nämlich recht mager abgesichert.

Länge 6: kurz, versintert, steil, nach oben werden die Griffe besser. Leider aber auch der dritte unbequeme Stand in Folge.

Die siebte Länge ist die schönste Kletterlänge, zwar steil, aber mit vielen Griffen, die 7- Stelle nicht wirklich schwerer als der Rest und besser abgesichert als die Schlüsselstelle.

Die allerleichteste Länge der Tour, kurz vorm Finale, ist wie erwartet am schlechtesten abgesichert und in der Mitte auch mit dem schlechtesten Fels. Ja, und nun kommt er, der Moment auf den wir seit dem Einstieg so gespannt sind:

 

Das Loch: das Loch ist ja nun mal das Ausstiegsloch, heißt, auch wenn man die Tour bisher souverän gemeistert hat könnte man hier vor einem Problem stehen. Wer nämlich glaubt, so eng wird das Loch schon nicht sein: Irrtum. Wir (beide wohlfeile 65 kg auf 1,70m) sind durchgekommen, Sprinter recht souverän und schnell (als Vorsteiger), ich … bin zumindest durchgekommen. Viel Spielraum war da nicht mehr, wäre mein Frühstück ein bisschen reichhaltiger gewesen... Direkt gesagt: Menschen mit exponierten Körperregionen (Bauch, Brüste) sollten sich gleich auf die Alternativvariante einstellen.

 

Unsere Taktik: um die letzte Länge vorzusteigen braucht man 3 Expressen und Standplatzequipment. Alles andere (Helm, Rucksack, Magnesiabeutel, Schuhe, Friends usw.) bleibt beim Stand. Nachdem Sprinter oben war hat er das Seil eingezogen, das Seilende zu mir heruntergelassen (links vom Loch über die Platte), und dann alles, inkl. meinem überflüssigem Material, nach oben gezogen.

 

Alternativen: sollte einer der Seilschaft durchpassen, der andere nicht, kann der Vorsteiger den Nachsteiger über die Platte links vom Loch hinaufsichern. Der Nachsteiger müsste halt die Expressen noch einsammeln (dürfte aber kein Problem sein). Vorsteigen über die Platte ist nicht möglich – steil, glatt und ohne Sicherungsmöglichkeit

Wenn keiner durchpasst: Notausstieg rechts vom Loch, ein A1 Ausstieg mit überhängender Querung, nur zwei schwere Meter, schaut nicht verlockend aus wird aber wohl für jemanden der die Tour bisher geschafft hat machbar sein.

 

Abstieg: ziemlich unsympathisch über steilen laubigen Waldweg nach oben, weiter oben noch ein paar leichte Kletterstellen. Nach etwa 15 Minuten trifft man auf den breiten Wanderweg, diesem nach links folgen.

 

Fazit: schöne aber auch ziemlich anspruchsvolle Tour mit einigen originellen Stellen. Mit Quergängen aller Art sollte man umgehen können! Die Absicherung ist nicht ganz wie in anderen Grilltouren, verhältnismäßig viele Bolts, die Quergänge hingegen sind teilweise nicht ganz so gut wie gewohnt abgesichert. Zustieg, Tour und Abstieg sind eher für erprobte Anglone – Kletterer, wir haben diesmal auch länger gebraucht, sieben Stunden nämlich insgesamt.

 

Fazit-Sprinter: schöne, lässige Linie durchs steile Gemäuer mit teilweise „prickelnden“ Quergängen garniert. Ganz Grill-untypisch sind die Quergänge teilweise echt weit gesichert. Der Nachsteiger sollte zumindest halbwegs cool bleiben. In den leichteren Längen ist die Bewertung eher streng ausgefallen. Leider ist der Fels nicht so fest wie in den meisten Anglone-Touren. Trotzdem: lohnend!

Das Loch: selber schauen!

 

 

Topo: arrampicata-arco.com


"La piccola piramide", Coste dell Anglone, Dro, 11 SL, 6 (Alpiner Ausstieg)

März 2019

Nachdem wir die "Via l'ombra e l'apparizione del mondo" nach der ersten Seillänge für beendet erklärt haben brauchen wir eine Alternative. Es zeugt schon ein bisschen von unserem Klettergrößenwahn dass wir eigentlich selten ein zweites Topo mithaben, wider besseren Wissens gehen wir fast immer davon aus dass eine Tour die wir uns vorgenommen haben auch funktioniert.

Da wir hier schon einiges geklettert sind wagen wir den Einstieg auch ohne Topo, wie fast immer nach einem missglückten Versuch bestehe ich auf "etwas Leichtem", die "Piramide" ist mein Vorschlag. Leider verwechsle ich sie in meinem Kopf mit der "Piccola Verticalita", was ich erst in der Mitte der Tour bemerke.

 

Die "Piramide" kann als leichtere Tour in der Coste dell Anglone bezeichnet werden. Leichter, nicht leicht!

So richtig leichte Sachen gibt es hier nicht (mein Empfinden), aber die Piramide ist passabel abgesichert und es gibt keine wirklich richtig schlimmen Passagen.

Die ersten drei Längen sind recht human, wobei die Steilheit von Länge zu Länge zunimmt, unterbrochen von plattigen Passagen.

Nach der Gehlänge kommen wieder Platten, gemein ist der Einstieg in die 5. Länge. Schaut total harmlos aus, aber der Fels ist poliert und der erste Riss ein paar Zentimeter zu hoch, hier haben sich sicher schon einige Vorsteiger abgemüht. Auch in der Platte danach gibt es eine Stelle wo sich Größe bezahlt macht.

Die 6. Länge ist meines Erachtens die schönste: ein großzügige Verschneidung mit noch großzügigeren Griffen. Gegen Ende hin immer steiler aber gut abgesichert.

Die 7. Länge ist dumm: erst ein paar Meter einen Felsrücken hinauf, dann hinüber in die Platte / Verschneidung und dann käme eine Art Kriechkamin. "Käme" deshalb, weil man als Nachsteiger so gesichert ist dass man nur bei lockerem Seil in den Kamin gelangt. Mein Seil ist nicht locker und ich nehme die Direktvariante - sehr unangenehm. Die Länge wird zum Glück schlagartig leichter sobald man die Sanduhr passiert und nach rechts auf den Block gestiegen ist.

Wieder kommt eine Gehlänge, hier muss man aufpassen dass man lange genug nach rechts quert, die Versuchung ist groß zu früh nach oben abzubiegen (ist mir bei unserem ersten Mal passiert...).

 

Es folgt: die Rissverschneidung! Wie so oft täuscht der erste Eindruck. Der Fels ist nämlich ziemlich glatt, hier kann der eine oder andere Friend zumindest psychologisch helfen. Auch hier nehme ich am Schluss (ungewollt!) die schwere Variante, man hat hier als Nachsteiger bei straffem Seil nämlich Mühe weit genug nach rechts zum 4er Gelände zu gelangen.

 

Zur Belohnung kommt nun eine lange, leichte Querung. Wir entscheiden uns hier für den alpinen Ausstieg (den anderen sind wir beim ersten Mal gegangen), somit geht es für uns nicht nach oben sondern weit nach drüben. Hier werden nun auch die Sicherungen weniger, alpin eben.

 

Für uns der letzte Stand, mit Blick auf eine steile Verschneidung. Ich denke mir noch "schaut eh nicht wild aus". Aber Sprinter müht sich (was selten ein gutes Zeichen ist). Die Absicherung ist nicht nur dürftig sondern auch nicht besonders vertrauenerweckend, mit viel Akrobatik überwindet er die Verschneidung. Danach sehe ich ihn nur mehr gelegentlich, im zickzack erst nach drüben, dann nach oben, dann nach drüben. Der Seilzug muss brutal sein. Nachdem er endgültig um die Ecke verschwunden ist dauert es nicht mehr lange und er hat den Ausstieg erreicht. Nun komme ich an die Reihe und wieder mal zeigt sich dass Nachsteigen nicht nur Vorteile hat. Die Verschneidung ist brutal, blöd wird es dann bei der Querung um die Ecke die nicht sehr nachsteigerfreundich ist. Leichter wird es erst am Schluss, als es nach oben geht.

Resümee: diese Länge kann man sich sparen. Zweifelhafter Fels, zweifelhafte Sicherungen und eine Linie die unweigerlich enormen Seilzug mit sich bringt.

 

Abstieg: ein langer Hatsch nach rechts, dann den üblichen Weg nach unten. Die Tour ist recht mittig, man hat somit wohl einen der längsten Abstiege hier.

 

Fazit: Wie erwähnt, eine der leichteren Anglone – Touren. Für mich zwar großteils nicht zum Vorsteigen geeignet, als Nachsteiger aber meist relativ unproblematisch. Einige kurze steile Passagen zum "Üben", und die ansonsten omnipräsenten Quergänge sind hier selten und unschwierig.

 

Fazit Sprinter: die " l'ombra e l'apparizione del mondo" steht weit oben auf der Liste ... :-) die Piramide ist eine sehr schöne und abwechslungsreiche Tour. Den Alpin-Ausstieg kann und sollte man sich (er)sparen. Der ist Schrott! Tipp: Zumindest einen kleinen Friend mitnehmen – der passt in der 5. Länge vor der Plattenpassage und erspart einem das Nachfädeln – und in der 9. Länge in den perfekten Fingerriss (macht den weiten Abstand beim etwas rutschig, glatten Fels deutlich angenehmer).

 

Topo: bergsteigen.com

 

 


„Via Diedro Baldessarini“, Coste dell Anglone, Ceniga, 7 SL, 6+

Dezember 2018

Von Ceniga aus sieht man gut die imposante Verschneidung am südlichen Ende der Coste dell Anglone. Länge, Ausrichtung und Charakter erscheinen uns perfekt für den zweiten Tag unseres Arco – Aufenthaltes. Gestern in der „Trincea“ haben wir uns ja nicht wirklich verausgabt, somit habe ich noch genug Kraft für die Tour die bis auf die erste Länge durchgehend 6 ist (in manchen Führern wird die Schlüsselstelle auch mit 7- angegeben). Laut Wetterbericht soll es heute etwas kälter sein, aber schon beim Zustieg durch den Olivenhain wird uns richtig warm. Der Einstieg ist wie bei allen Grill – Touren vorbildlich angeschrieben, die erste Länge wirkt auch nicht wirklich einschüchternd (ist ja auch die leichteste). Die Tour ist schon älter und alpin abgesichert, wir rechnen also mit viel Eigeninitiative. Angst den Routenverlauf nicht zu finden haben wir trotzdem nicht, so eine Verschneidung ist ja relativ wegweisend.

Die erste Länge ist etwas brüchig, nicht steil und mit botanischen Elementen durchsetzt, dafür gibt es hier schon einige Sanduhrschlingen und Normalhaken. Der erste Stand wurde mit einem soliden Ring verbessert, das ist schon mal gut. Die zweite Länge ist deutlich steiler und leider zu Beginn etwas nass, aber auch wieder erstaunlich gut abgesichert. Ab der dritten Länge geht’s los mit den Verschneidungen, die erste klettert sich gut, der rot – gelbe Fels ist griffig und die Steilheit hält sich noch in Grenzen.

Nun kommt die Schlüsselseillänge, eine steile Verschneidung, mit einigen Normalhaken versichert, hier sind Friends aber definitiv nützlich. Die Länge mündet in eine laubige Rampe, geht dann noch kurz nach oben und quert schließlich auf einem Grasband nach rechts.

Hier startet die „richtige“ Verschneidung. Von unten schaut es auf den ersten Blick aus als müsste man sie komplett selbst absichern was Sprinter etwas beunruhigt, aber dann entdecken wir eine Sanduhrschlinge, dann einen Normalhaken, dann noch eine Sanduhrschlinge, noch einen Haken…. Kurz, es ist deutlich mehr Material in der Tour als wir erwartet haben, nur sieht man vieles erst beim Klettern.

Mich beunruhigt eher der nächste Stand. Ein toter Feigenbaum, der es irgendwie geschafft hat im Fels zu wachsen. Die Länge ist kurz und in etwa gleich schwer wie die vorhergehende, recht steil aber mit vielen Griffen und Tritten.

Die vorletzte Länge ist eine Fortführung der Verschneidung und endet kurz unter den Überhängen. Wir haben immer noch Sonne, die Temperatur ist perfekt (T – Shirt! Im Dezember!).

Die letzte Länge ist aus meiner Sicht (der des Nachsteigers) die schwerste, man klettert erst kurz eine Rissverschneidung nach oben und quert dann nach rechts. Sprinter hat hier sehr nützliche drei Friends platziert, wer seinen Nachsteiger mag sollte das schon ihm zuliebe so machen. Noch mal kurz queren und dann nach oben und fertig – ich erreiche den Ausstieg gemeinsam mit den letzten Sonnenstrahlen.

 

Abstieg: super angenehm – erst ganz kurz nach oben, dann dem Steig nach rechts (Aufstiegsrichtung) folgen, nach wenigen Minuten erreicht man den normalen Abstiegsweg. Ca. 20 Minuten bis zum Auto.

 

Fazit: tolle Tour, toller Tag! Eine Unternehmung die gut für die Kombination „erfahrener Vorsteiger, schwächerer Nachsteiger“ geeignet ist, bis auf die letzte Länge kann man sich bei Bedarf gut nach oben schummeln. Verhältnismäßig gut abgesichert, zwar keine Bolts aber reichlich Sanduhren und Haken, Friends und Schlingen sollte man aber definitiv dabeihaben. Kaum abgeklettert, teilweise etwas dreckig und laubig (wohl auch jahreszeitbedingt). Durch die Ausrichtung super für den Winter, in der Verschneidung war es richtig warm. Kurzer Zu- und Abstieg, beides gut zu finden. Ein Klassiker der richtig Spaß macht, klettertechnisch aber doch einiges an Erfahrung und Können voraussetzt.

 

 

Topo: arrampicato-arco.com

 


„Esclusivamente per tutti“, Cima alle coste Sud, Dro, 10 SL, 7-

November 2018

Wochenende, schönes Wetter und Uneinigkeit bezüglich unseres Kletterzieles. Sprinter will nach Arco, ich habe aber keine Lust mehr auf das und außerdem finde ich dass wir die milden Temperaturen in Tirol ausnutzen sollten. Also gibt es einen Kompromiss: einen Tag Arco, einen Tag Tirol. Geplant ist eine Tour an der Coste dell Anglone, aber als wir in Arco ankommen ist das Wetter reichlich bescheiden und wir sehen schon von weitem dass unsere Wunschtour nass ist.

Was also tun? Das Topo der „Esclusivamente“ hatten wir uns irgendwann mal angeschaut, keine Tour für die wir extra nach Arco fahren würden aber halt besser als nix tun und laut Schwierigkeiten und Absicherung kann ich hier einiges vorsteigen (nicht selbstverständlich in Arco).

 

Sie liegt ganz im Osten der Coste dell Anglone, der Einstieg ist nicht angeschrieben aber wenn man der Wegbeschreibung folgt ist sie eigentlich nicht zu verfehlen. Ich steige gleich mal die erste Länge vor, eigentlich nett zu klettern aber reichlich bewachsen und erdig. Sprinter nimmt die nächste Länge, er klettert und klettert, ist irgendwann außer Seh- und Hörweite, klettert immer noch, dann ist das Seil aus und er klettert immer noch. Weil die dritte Länge nur eine kurze Gehlänge ist vermute ich er hat die beiden Längen zusammengehängt und macht nach 70m Stand. Das ginge sich aus, die richtige Kletterei fängt in der 2. Länge erst nach 10 Metern an. Ich steige also nach, aber Sprinter hat auch nach weiteren 10 Metern offensichtlich keinen Stand. Ich bleibe stur stehen und hoffe dass er das Zeichen richtig deutet. Tut er, und so kann ich ruhigen Gewissens weiterklettern (wenn man viel zusammen klettert und oft in Touren unterwegs ist wo man sich nicht sieht oder hört lernt man quasi über das Seil zu kommunizieren). Als ich bei ihm ankomme stehen wir mitten in der Pampa. Der Gute hat nicht zwei Seillängen zusammengehängt sondern die Tour verloren, ist schnurstracks nach oben gegangen und hat nun Stand bei einem Baum gemacht. Ich ärgere mich. Wenn ich vorsteige muss ich mir minutenlang anhören dass ich bloß nicht die Tour verlassen soll, aber er geht geradeaus obwohl ganz klar „links“ im Topo steht?

Na gut, wir sind auf einem waldigen Band und ich darf jetzt den richtigen Stand suchen. Ich kämpfe mich durchs Gestrüpp, finde ihn und wir können weitermachen. Ich steige die nächste Länge (die 4. nun) vor, auch nett zu klettern, leicht aber lang und am Ende habe ich ordentlich Seilzug. Ein Gehpassage, dann eine Schuppe, die gehört auch mir. Es folgt eine plattige und ziemlich rutschige Länge mit botanischen Elementen, dann sind wir beim Stand vor der brüchigen Querung. Sprinter steigt vor, und ich bringe mich in Sicherheit. Obwohl er sicherlich sehr vorsichtig klettert fliegen Steine, und zwar direkt Richtung Stand. Ich bin froh als ich endlich nachsteigen kann, und noch froher als die Länge vorbei ist. So einen Bruch habe ich (und ich bin nicht empfindlich!) selten erlebt, die Querung ist mit 5- bewertet und hier liegen die Schwierigkeiten eindeutig nur darin einen Griff und Tritt zu finden der nicht locker ist, denn eigentlich ist hier fast Gehgelände.

Die Schlüssellänge ist eine Schuppe und endlich kommt Sprinter auf seine Kosten. Das ist sein Gelände, souverän steigt er nach oben. Für mich ist die Schuppe zu steil, ich muss mehrmals rasten. Die letzte Länge ist dann kürzer als im Topo (knapp 30m) und ganz ok, die Rampe ist nicht schwer (wenn man mind. 1,70 ist), nur auch stellenweise erdig.

 

Abstieg: Gleich vom Ausstieg nach links (Aufstiegsrichtung) und dann den Steinmännern folgen was nicht immer ganz einfach ist in einem Blockgelände. Nach etwa 20 Minuten sollte man auf den richtigen Abstiegsweg treffen.

 

Fazit: Sprinter findet die Tour furchtbar, ich habe zumindest meine Längen ganz okay gefunden. Richtig stören tut mich eigentlich die Bruchquerung, ich finde so eine Länge hat in einer Klettertour nichts verloren, schon gar nicht wenn sie über dem Stand (und der Tour) quert. Für gute Kletterer wird die Tour wohl eher langweilig sein, nicht so gute haben eventuell in der Schlüssellänge Probleme. Für Alpinkletterer ist sie überbohrt, für Plaisirkletterer zu botanisch und brüchig. Kurz gesagt der Tour fehlt ein bisschen die Zielgruppe. Viel Gehgelände sorgt dafür dass man ständig erdige Schuhe hat. Schönes Klettern geht anders, als Notfallprogramm kann man die Tour machen (wenn man sich nicht zu viel erwartet und möglichst keine anderen Seilschaften in der Tour sind).

 

 

Topo: bergsteigen.com


„Via attraverso la friabilità“, Coste dell´Anglone, Arco, 9 SL, 6+

Oktober 2018

Es scheint als würden wir die „Chronologie des Scheiterns“ so nach und nach wieder abarbeiten. Begeistert bin ich nicht von Sprinters Vorschlag die „Friabilitá“ nochmal zu probieren, in zu schlechter Erinnerung ist mir die erste Länge. Aber jeder hat eine zweite Chance verdient, also ab nach Arco und hin zum „Weg durch die Brüchigkeit“.

Seit Tagen ist hier schönstes Wetter und das bedeutet vor allem eines: trockener Fels! So lässt sich die dumme erste Länge zumindest besser klettern, auch wenn die unscheinbaren Mugel immer noch ganz schön in die Arme gehen. Erstaunlicherweise wird die Tour danach immer besser und so brüchig ist sie gar nicht, am ehesten der Anfang der dritten Länge. Die vierte Länge ist leicht (4+), also darf ich sie vorsteigen. Sprinter schwitzt allerdings Blut und Wasser, weil in der ganzen Länge gerade mal zwei Normalhaken sind. Ich nutze die Gunst der Stunde und versenke die ersten Friends meines Lebens, bin aber trotzdem froh als ich am Stand bin. Die erste 6+ ist steil und knackig, im Nachstieg aber gut machbar, danach kommt ein interessanter Quergang der am Schluss leicht nach unten geht (mit Seilstück entschärft) und dann hinauf an einer Schuppe zum Stand führt. Die Kaminlänge bin ich wohl falsch geklettert (hab den Kamin glatt ignoriert). Die zweite und letzte Schlüsselstelle: Plattenquergangstapselei mit einem kleinen überhängenden Finale. Eine kurze und recht gut abgesicherte Länge mit einem ziemlich unbequemen Stand. Die letzte Länge dann ist für mich die schönste, nämlich richtig coole Plattenkletterei. Oben dann die erstaunliche Erkenntnis: ich bin am Ausstieg nicht total fertig, weder körperlich noch mit den Nerven - etwas das mir in der Coste dell´Anglone noch nie passiert ist!

 

Abstieg: Diesmal gibt es die linke Abstiegsvariante, nach dem Ausstieg ein bisschen nach oben und dann dem Forstweg folgend bis zum Steig der nach unten führt. Deutlich kürzer als die rechte Variante und weniger anspruchsvoll, zwar mit einigen seilversicherten Passagen aber insgesamt um einiges angenehmer (ca. 30min)

 

Fazit: Für mich bisher eine der „leichtesten“ Touren in diesem Gebiet und mit 9 Seillängen auch nicht extrem lang. Super geeignet in den Wintermonaten, viel länger als vier Stunden sollte man eigentlich nicht brauchen und die Wand bietet durch die Ausrichtung auch im Winter beste Klettertemperaturen. Friends und Schlingen sind gelegentlich nützlich, die Stände sind alle mit Bolts und Ringen eingerichtet. Wie sind hier mit Einfachseil geklettert (abseilen ist von weiter oben eher mühsam).

 

Topo: klettern-sarcatal.com

 


„Via belleza della venere“, Cima alle coste Sud, Dro, 9 SL, 4+

März 2018

Natürlich ist es mein Begehr die „Venere“ zu klettern, für Sprinter ist es Kinderkram. Aber eine (Seil)Partnerschaft wie die unsere lebt von Kompromissen, und ich will endlich auch mal was vorsteigen in Arco.

Die Tour ist im Osten der Coste dell Anglone und schaut von unten aus wie ein Spaziergang. Man klettert hier vorerst im Dreiergelände dahin, die Absicherung ist unten ganz passabel, der Fels allerdings teilweise schon arg poliert. Die 4. Länge steige ich wieder vor und hier wird es dann ziemlich interessant, kurz vor dem Stand muss man über einem Felsmugel queren was ich erst nicht glauben will weil auch gerade hinauf abgespeckter Fels und somit Kletterspuren sind (vermutlich haben hier schon einige die „indirekte“ Variante probiert). Ab hier steigt Sprinter vor, was rückblickend betrachtet eine gute Idee ist. In der 5. Länge gibt es nämlich streckenweise kaum Absicherungen, hier startet quasi der alpine Teil der Tour. Außerdem: der Pfeiler, der maximal abgespeckt ist, war vielleicht mal eine 4+, mittlerweile dürfte das deutlich schwerer sein.

Solche Überraschungen mag ich gar nicht und überlasse Sprinter den Rest der Tour. In der vorletzten Seillänge gibt es noch eine dürftig abgesicherte Querung und dann kommt, als grande finale, die  Rampe. Die letzte Länge ist lässig zu klettern, fordert aber durchaus noch einmal die Psyche weil verhältnismäßig ausgesetzt und auch gar nicht soo leicht.

 

Abstieg: auf markiertem Steig retour um Sportplatz

 

 

Fazit: wer gerade mal so einen 4er vorsteigt hat hier in manchen Längen wenig zu lachen. Die Absicherung ist variabel, manchmal gut, manchmal erstaunlich dürftig. Mobile Sicherungsmittel sollte man also beherrschen (und mitführen), bissi Spürsinn für die Route ist auch immer mal wieder gefragt. Kurzum: dem totalen Einsteiger kann man die Tour nicht wirklich empfehlen, wie so oft täuscht die Bewertung über die Tatsache hinweg dass man sich hier halt doch auf arconesischem  Grund und Boden befindet. Wie sind die Tour bei nicht so tollem (kaltem) Wetter geklettert und waren daher allein. 

 

Topo: bergsteigen.com