„Anima Senziente“, Cima Nodice, Pregasina, 8 SL, 6

"Il Disertore", Cima Nodice, Pregasina, 6 (3) SL, 6+

Juni 2020

 

Definitiv Urlaubsfeeling auf der ersten Fahrt nach Arco seit langem. Nicht dass wir es ohne Arco nicht aushalten, allerdings ist das Wetter bei uns wiederum nicht auszuhalten. Zuhause Regen, hier blauester Himmel. Wir haben keine großen Ambitionen, wollen einfach mal wieder zwei Tage klettern ohne Sorgen ob das Wetter hält und wir nicht doch von einem Schneesturm überrascht werden.

Zu Pregasina, das ich geografisch jetzt einfach mal dem Valle di Ledro zuordne, fällt mir nur ein Wort ein: Postkartenidylle!

Allerdings dürfte man sich mit einem größeren Auto in den schmalen Gässchen und Kürvchen schwer tun, von der Parkplatzsituation ganz zu schweigen. Bei uns ist der Parkplatz bei der Kirche voll, Kia Piccanto sei dank finden wir noch ein Fleckchen am Straßenrand.

Vom vollen Parkplatz sollte man sich übrigens nicht abschrecken lassen, der großteil sind Wanderer; Kletterer sind nur ein paar unterwegs.

Der Zustieg zur Anima, erst Beton- dann Waldweg, schließlich querend Richtung Wand, ist in 30 Minuten wohl nur laufend zu schaffen, egal, ein paar Minuten mehr stören uns heute nicht. Wenn es im Wald beim zusteigen raschelt könnte das eine Schlange sein, also nicht erschrecken! Sprinters Ratschlag „geh einfach lauter“ (???) ist auf dem weichen Waldboden nicht umsetzbar; für Schlangenphobiker tut´s auch ein Stecken. Einstieg ist in einer verfallenen Stellung.

 

Die erste Länge ist kurz und gut zum Einklettern. Wäre ich nicht noch immer in so miserabler Verfassung würde ich sogar sagen dass die Bewertung sehr human ist, zumindest für eine Grill – Tour.

In der zweiten Länge ist die Querung nicht ganz so einfach, wie üblich halt eine Kopfsache.

Die restlichen 4 Längen des unteren Teiles sind dann nur mehr Genuß; nichts schweres mehr, nur schöner Fels, zusätzlich gut gesichert.

Der Stand vor der 7. Länge ist direkt am Abstiegsweg , wir treffen auf Wanderer mit Hund, was wohl, mitten in einer Klettertour, ein ziemlich einmaliges Erlebnis bleiben wird.

Die letzten zwei Längen sind etwas schwerer. Nein, stimmt nicht, nur eine kurze Stelle ist jeweils schwer: der letzte Meter zum Stand in der 7., und die ersten zwei Meter nach dem Stand in der letzten Länge.

Ausstieg ist wieder in einer Stellung, mit super Blick auf den großen Lago.

 

Wir haben ein paar Kraft- und Zeitreserven, deswegen nehmen wir noch die „Disertore“ in Angriff.

 

 

Il disertore“, 6 SL, 6+

 

Allerdings klettern wir nur den „feinen“ Teil, der startet am Band, wenige Meter rechts der „Anima“. Einfach an der Stellung unten vorbeigehen.

 

Also Länge 4: anhaltend eher steil (für meine Begriffe) und sehr lang - 45 m. Die Kletterei ist gut aber anstrengend, was aber auch daran liegen könnte dass wir ja schon 8 Längen hinter uns haben.

Die fünfte Länge startet mir einer Querung die wirklich nicht schwer ist , dann wieder schön griffig nach oben. Diesmal machen wir einen Zwischenstand; das geht nach ca. 30 Metern ganz gut. Somit haben wir noch drei leichte Längen (die letzte haben wir wieder unterteilt was aber nicht notwendig ist).

 

Abstieg: Entgegen meinen üblichen Ambitionen will ich noch auf den Gipfel, der müsste eigentlich ein paar Meter weiter oben sein. Gipfel finden wir keinen, aber ein schönes Aussichtsplätzchen. Traumblick auf den Lago und die Touren vom Cima Capi. Beim Absteigen kommt man übrigens an einem Klettergarten vorbei der ziemlich neu sein dürfte. Die Touren sind nicht meine Liga, schauen aber für Gut – Kletterer ganz interessant aus (versintert und sehr steil). Zurück zum Parkplatz in 30 Minuten.

 

Fazit: Schade dass wir die Touren am Cima Nodice nun quasi ausgeschöpft haben! Tolle Gegend, tolles Ambiente, guter Fels und gute Absicherung, schaffbare Schwierigkeiten, angenehmer Zu- und Abstieg.... in Summe absolut empfehlenswert für einen Rasttag oder um gemütlich in den Kletterurlaub zu starten. Die Temperaturen an diesem 30 Grad Tag waren auszuhalten, die Touren sind aber sicher auch an den kürzeren Tagen ein Genuß.

 

Fazit Sprinter: Ausland – endlich mal wieder raus aus Tirol. Da meine bessere Hälfte auf „unbedingt etwas gemütliches“ besteht gibt es diese Wochenende nur „leichte Kost“.

Der erste Gang: eine Grill-Tour. Leider sehr „grill-untypisch“ weil super gesichert. Auch die Linie ist offensichtlich. Die Kletterei ist schön – die vorletzte Länge (direkt vom Abstiegssteig weg) mega! Eine steile Wand leicht ansteigend queren und am Ende ein Stand auf einem Balkon. Auch die ersten Meter der letzten Länge sind für eine so leichte Tour echt ein Highlight.

Diese Tour lohnt auf jeden Fall!

 

Die „Disertore“ startet mit einer sehr langen Länge. Nach ca. 30 Meter wäre rechts ein Zwischenstand der Orginalführe (die disertore ist eigentlich eine Variante zur „Nischentour“) - da die nächste Länge auch recht lang ist empfiehlt es sich eher bis zum richtigen Stand hochzugehen.

Die zweite Länge ist herrlich: schräg aufwärts geht sie über mehrere Haifisch-Schuppen hoch. Super!

Dann klingt die Tour mit leichten Platten in tollem Fels recht gemütlich aus.

Die zwei unteren Längen dürften nicht so oft begangen werden. Beide Seilschaften an diesem Tag (mit uns dann 3) sind oben gestartet.

Lohnt!

 

Topo: arrampicata - arco.com

 

 


„Il re del lago – Der König des Sees“, Regina del lago, Cima Capi, 6 SL, 6-

Mai 2019

Der Ausstieg der „Kain und Abel“ ist auf einem Weg der entweder nach unten führt oder, in unserem Fall, nach oben. Das Wetter ist nämlich erstaunlich gut, zwar dampft der feuchte Waldboden aber der Himmel ist strahlend blau.

Wenige Meter links vom Ausstieg der Kain sieht man einen Steinmann, diesem Steig für etwa 10 Minuten folgen bis man am Einstieg der „Re del lago“ ist.

 

Schon hier wird klar dass wir uns nun in alpineren Gefilden bewegen. Nix mehr mit Bohrhaken alle paar Meter, stattdessen sieht man eine einsame Sanduhrschlinge weit oben.

 

Bis dorthin ist es relativ leicht, dann wird es mal kurz interessant (glatt & plattig). Wir nutzen die Möglichkeit den Zwischenstand zu machen (wäre wahrscheinlich nicht unbedingt notwendig), somit ist die nächste Länge nur ein paar Meter durchs Gebüsch.

Der nächste Einstieg (links hinüber, ein paar Meter hinauf) ist mit einer Krone gekennzeichnet. Von unten betrachtet schaut diese Länge gut aus, nach dem ersten leichten Teil wird es aber doch recht steil.

Sprinter hat zu Beginn dieses Abschnittes einen blauen Friend platziert.

Weil der Friend a) so weit im Riss versenkt ist dass ich ihn nicht vernünftig anpacken kann und b) fast ganz eingeklappt und somit fast bewegungsunfähig ist schaffe ich es trotz minutenlangem Herumprobieren und Zuhilfenahme meines Klemmkeilentferners nicht ihn herauszubekommen. Sehr ärgerlich! Sprinter, der sich zu unserem Freund abseilt, schafft es ebensowenig.

 

Ärgern hilft nicht, weiter geht’s. Nach ein paar Gehmetern der nächste Einstieg (wieder mit Krone).

Der Überhang zu Beginn ist gut zu klettern, den folgenden Rampenriss finde ich da schon deutlich unangenehmer.

Nun kommt die letzte schwere Länge, steil zu Beginn und weiter oben soll die luftige Querung sein. Auch hier sind die Sicherungen spärlich. So spärlich, dass Sprinter die luftige Querung verpasst und schnurgerade hinauf klettert.

Beim Nachsteigen „finde“ ich die Querung, die eigentlich mehr ein exponierter Seitenschritt ist. Nun ja, nichts wovor man sich fürchten müsste.

 

Letzte Länge – meine: Über den Felsgupf und dann rechts hinüber. Den letzten Stand nehme ich nicht, ein paar Meter oben ist es deutlich angenehmer.

 

Abstieg: dem Pfad nach oben folgen bis man auf den Abstiegsweg trifft. Ein paar seilversicherte Stellen zum Abklettern, nach einigen Minuten trifft man auf die beschriebene Abzweigung. Wer liest ist klar im Vorteil, haben wir nicht und sind dem (logischen aber falschen) Weg nach rechts gefolgt, der ewig waagrecht geht.

 

Fazit: die Tour ist ok, wenn man schon mal in der Gegend ist und nach den unteren Plaisirtouren noch was alpineres gehen will. Die einzelnen Längen sind immer mal wieder von Bändern (oder dem Weg) unterbrochen, was bequeme Stände beschert aber irgendwie kein richtiges „Kletterfeeling“ aufkommen lässt. Die Absicherung ist eher mager und lässt den Schwierigkeitsgrad gleich ernsthafter erscheinen; ohne ein paar Friends und Schlingen würde ich nicht einsteigen. Immerhin macht die wirklich fantastische Aussicht einiges wett!

 

Fazit-Sprinter: das schönste an der Tour war eindeutig die Smaragd-Echse beim Abstieg. Die Tour ist eher dürftig gesichert und die Linie selten eindeutig. Den Schwierigkeitsgrad sollte man sehr sicher klettern können – auch ohne verlässliche Sicherungen. Wieder mal ein Beispiel wie viel mehr Spaß die Grill-Touren in ihrer Art so machen und wie gut deren Linien meist sind. Weiterempfehlen würde ich die Tour jetzt nicht wirklich – wobei das Ambiente dort oben schon recht schön ist.

 

Topo: bergsteigen.com

 

 

In eigener Sache: sollte jemand unseren Friend finden und herausbekommen der darf ihn behalten – oder uns natürlich schicken:)! 


„Caino e Abele“, Cima Capi, Regina del Lago, 5 SL, 5+ (6+)

Mai 2019

Es wird ja langsam langweilig, immer dieses Gejammer übers Wetter, und eigentlich wollen wir ja ganz andere Touren gehen, aber der Regen... und der Schnee... und überhaupt....

Tatsache ist aber leider: so patschnass wie an diesem Sonntag habe ich das Sarcatal noch nie erlebt.

Und das Wetter ist nicht so dass man hoffen könnte einiges würde in den nächsten Stunden auftrocknen.

Wie schon beim letzten Mal bleibt als Alternative eine leichte, gut gesicherte Tour in der nasse Stellen nicht so störend sind.

 

Die „Kain und Abel“ sind wir schon mal geklettert, der Plan ist, danach noch eine zweite Tour dranzuhängen (wenn das Wetter mitspielt) und so doch noch einen halbwegs ausgefüllten Klettertag zu haben.

 

Auf der kurzen Strecke vom Auto die Straße entlang bis zum Kletterberg begegnen uns gefühlt tausend Menschen, allerdings kaum Kletterer sondern Wanderer und Mountainbiker.

Beim Einstieg sind wir trotzdem nicht allein, ein Pärchen ist vor uns, die Nachsteigerin müht sich gerade mit dem einfachen Einstieg ab. Wir entscheiden uns für die schwere Variante (damit Sprinter was zu tun hat). Vorweg: wer die schwere Variante geschafft hat, für den ist die Tour erledigt, alles was danach kommt ist deutlich leichter!

 

Die zweite Länge ist leicht, nur der Seilzug enorm, verlängerte Expressen helfen vielleicht. Wir gehen in Wechselführung und Sprinter übernimmt die Rampe in der dritten Länge – schaut ziemlich spektakulär aus, ist aber total einfach und fast schon übertrieben abgesichert.

 

Die vierte Länge punktet mit einer Querung und endet bei einem perfekten Stand, einem Überbleibsel aus Kriegszeiten.

Auch das Finale ist gemütlich, sanftes Emporsteigen an perfektem Fels könnte man sagen. Zwischenstand machen wir keinen, die letzten Meter bis zum endgültigen Ausstieg kann man getrost seilfrei gehen.

 

Abstieg: einfach dem Weg nach unten folgen

 

Fazit: eine leichte und absolut plaisirmäßig abgesicherte Tour in der sich 5er auch wie 5er anfühlen. Es werden keinerlei mobile Sicherungsmittel benötigt. Keine alpinistische Offenbarung, aber für Freunde gemütlicher Mehrseillängentouren absolut empfehlenswert. Die Tour ist sehr beliebt, aber auch bei größerem Andrang wird es sich hier wohl nicht so schnell stauen. Die Tour war komplett trocken, ist also auch nach Regenfällen machbar, wohl auch wegen dem waldigen Ambiente. Allerdings (und diese Erfahrung habe ich hier schon öfter gemacht): unter den Bäumen ist es verdammt schwül! Wenn der regennasse Boden auftrocknet dampft es hier teilweise förmlich. Superkurzer Zustieg (nicht zu früh in den Wald queren)!

 

Fazit Sprinter: der Regen nervt!

 

Topo: bergsteigen.com

 

 


"Via Falcone", Cima al Bal, Valle di Ledro, 9 SL, 6c

Juli 2018

Klettern in Arco im Juli ist nur bedingt eine gute Idee, aber was soll man tun wenn es überall sonst gewittert? Die "Via Falcone" im Ledrotal klingt laut Ausrichtung günstig (Schatten!), außerdem klettere ich gerne dort, die Bewertung ist in der Regel sanfter (Sprinter meint: touristenfreundlich) und die Absicherung besser. Die "Via Falcone" liegt gegenüber des Klettergebietes Regina del Lago und startet im Wald am Fuß eines mehr grünen als felsigen Hügels. Soweit ich gesehen habe gibt es dort nur diese Tour, sie sucht sich den Weg durch die felsigen Abschnitte des Berges.

Tatsächlich ist die erste Länge im Schatten, und das offensichtlich immer. Der komplette untere Teil ist nass, fühlt sich aber nicht an wie nasser Fels sondern wie nasser moosiger Fels. Glibsch wohin man greift. Unkletterbar eigentlich, aber nicht für Sprinter, der sich die erste Hälfte technisch nach oben arbeitet. Ich steige nach und bemühte mich, Felskontakt zu vermeiden, selbst die größten Henkel geben keinen Halt weil alles mit einer schmierigen Schicht überzogen ist. Wirkt jetzt nicht so als wären hier schon hunderte Seilschaften durchgestiegen.... Nach der erste Länge ist der Glibsch weg, der Schatten allerdings auch. In brütender Hitze klettern wir weiter. Die Schlüsselstelle, ein Kamin bei dem man am Ende um ein luftiges Eck klettert, ist bestens abgesichert und gut technisch machbar. Grasige und felsige Abschnitte wechseln, nach oben hin wird das Klettervergnügen deutlich mehr! Allerdings bleibt der Eindruck dass diese Tour kein Publikumsmagnet ist, immer wieder muss man aufpassen dass einem die hereinragenden Äste kein Auge ausstechen, immer wieder gibt es loses Gestein und einmal muss sich Sprinter den Weg durch ein riesiges Spinnennetz bahnen (inklusive fetter Spinne).

 

Abstieg: Am Ende der Tour suchen wir den Abstieg, der sollte eigentlich nach links gehen aber die angedeuteten Pfadspuren verlieren sich im Nichts. Wir gehen schließlich nach rechts und kommen so auch unten an, auch wenn wir deutlich länger als 20 Minuten brauchen.

 

Fazit: eine Tour mit Potential der leider offensichtlich noch einige Begehungen fehlen. Die Tour dürfte im Juli ab dem späten Vormittag im Schatten sein (wir sind um 10 Uhr eingestiegen - zu früh). Vielleicht ist die erste Länge trocken wenn es mehrere Tage nicht geregnet hat. Die Absicherung ist gut, in den schweren Passagen sogar sehr gut. der Abstiegsweg ist offensichtlich auch noch nicht oft begangen worden, viele angedeutete Spuren aber letztlich kein Weg. Links ist eine steile Wand weswegen wir uns für rechts entschieden haben, man kommt hier auf einem sehr rustikalen verwachsenen Weg nach unten.

 

Topo: www.arrampicata-ledro.it